Cleantech vs. Greenwashing – Wo hört Marketing aufhört und Cleantech beginnt.
Nicht alles, was grün aussieht, ist auch wirklich umweltfreundlich. Während echte Innovationen im Bereich Cleantech die Industrie verändern, versuchen manche Unternehmen, sich mit Greenwashing ein grünes Image zu verschaffen. In diesem Artikel erfährst du, was hinter den Begriffen steckt, wie du Greenwashing erkennst und wo Cleantech in Deutschland bereits für echte Veränderungen sorgt.
Was ist Greenwashing?
Greenwashing bezeichnet Marketingmaßnahmen, mit denen sich Unternehmen gezielt umweltfreundlicher präsentieren, als sie tatsächlich sind. Dabei wird ein nachhaltiges Image erzeugt, ohne dass die zugrunde liegenden Geschäftsaktivitäten tatsächlich klima- oder umweltfreundlich ausgerichtet sind. Häufig werden irreführende Informationen verbreitet oder einzelne, kaum relevante Maßnahmen überbetont, um von umweltschädlichem Verhalten abzulenken. Dadurch entsteht bei Verbraucher:innen der Eindruck, sie würden mit ihrem Konsum einen positiven ökologischen Beitrag leisten – obwohl dies in der Realität nicht der Fall ist (Gottschalk & Wessel, 2023; Umweltbundesamt, 2022).
Beispiele für Greenwashing in der Industrie und Logistik
Greenwashing ist inzwischen in zahlreichen Branchen weit verbreitet – auch Industrie und Logistik bilden dabei keine Ausnahme. Immer wieder präsentieren sich Unternehmen als nachhaltiger, als sie es in Wirklichkeit sind. Häufig werden unklare, nicht vergleichbare oder selektive Angaben zu CO₂-Emissionen veröffentlicht, die ein verzerrtes Bild erzeugen. Ein bekanntes Beispiel ist der Dieselskandal von Volkswagen im Jahr 2015: Das Unternehmen warb mit besonders umweltfreundlichen Diesel-Fahrzeugen, setzte jedoch eine Software ein, die Abgastests manipulierte, indem sie erkannte, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder im realen Straßenbetrieb befand. In der Folge lag der tatsächliche Ausstoß von gesundheitsschädlichem Stickoxid bis zu 40-mal über dem in den USA zulässigen Grenzwert (Weiß, 2025).
Auch in Logistikunternehmen wird mit Schlagworten wie „Green Logistics“ oder „grüne Lieferkette“ geworben. In vielen Fällen steht dahinter jedoch keine Umstellung auf nachhaltige Prozesse, sondern lediglich punktuelle Maßnahmen – etwa der Einsatz recycelbarer Verpackungen oder die Elektrifizierung eines kleinen Teils der Fahrzeugflotte. Die Außendarstellung erweckt jedoch den Eindruck einer umfassenden Transformation, obwohl das Kerngeschäft größtenteils unverändert bleibt (Umweltbundesamt, 2022).
Wie kann Greenwashing erkannt werden?
Greenwashing zu erkennen ist oft nicht einfach, da Unternehmen teilweise sogar Marketing und PR einsetzen, um ein nachhaltiges Image zu vermitteln. Dennoch gibt es einige typische Anzeichen und Methoden, mit denen Greenwashing erkannt werden kann:
- Vage oder undefinierte Begriffe: Aussagen wie „natürlich“, „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „partnerschaftlich“ sind oft nicht klar definiert und werden ohne konkrete Nachweise verwendet
- Versteckte Kompromisse: Häufig wird nur ein umweltfreundlicher Aspekt hervorgehoben (z. B. weniger Plastik in der Verpackung), während andere, problematische Eigenschaften, wie dass diese in einer Fabrik, die ausschließlich mit Fossilen Brennstoffen betrieben wird, verschwiegen werden.
- Fehlende Nachweise: Unternehmen behaupten, ihre Produkte seien nachhaltig, liefern aber keine glaubwürdigen Belege oder Zertifikate
- Schöne Bilder und grünes Design: Die Verpackung ist grün gestaltet oder zeigt Naturmotive, ohne dass dies mit echten Umweltleistungen einhergeht (Stiftung für Konsumentenschutz, 2024).
Was ist Cleantech und wie unterscheidet es sich von Greenwashing?
Cleantech (Clean Technologies) bezeichnet Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, die darauf ausgerichtet sind, die Effizienz zu erhöhen und gleichzeitig den Verbrauch von Ressourcen sowie Emissionen, Abfälle und Umweltbelastungen zu minimieren. Im Gegensatz zum Greenwashing steht bei Cleantech tatsächlich die Verbindung von ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit im Mittelpunkt – mit dem Ziel, einen realen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.
Ähnlich wie beim Greenwashing findet sich auch Cleantech in zahlreichen Wirtschaftsbereichen wieder – darunter Energie, Mobilität, Wasserwirtschaft, Abfallmanagement, Landwirtschaft, Bauwesen und Industrie. Cleantech-Lösungen zeichnen sich insbesondere durch eine effizientere Nutzung von Ressourcen, den Einsatz erneuerbarer Energien, die Reduzierung von Schadstoffemissionen sowie durch wirtschaftlich attraktive Kosteneinsparungen aus (Wikipedia, 2025).
Einige Unternehmen und Regionen setzen Cleantech bereits gezielt ein und gehen mit gutem Beispiel voran:
Orcan Energy: Das Unternehmen hat sich auf die Umwandlung industrieller Abwärme in sauberen Strom spezialisiert. Ihre Technologie kommt etwa bei Zementherstellern wie SCHWENK sowie im Recyclingunternehmen Ecobat zum Einsatz. Sie trägt dazu bei, die Energieeffizienz zu steigern und CO₂-Emissionen in besonders energieintensiven Branchen zu reduzieren (Orcan Energy AG, 2024).
Elektrifizierung von Fuhrparks & Ladeinfrastruktur (Metropolregion Nürnberg): Im Rahmen regionaler Cleantech-Initiativen erhalten Logistikunternehmen Unterstützung bei der Umstellung auf elektrische Nutzfahrzeuge sowie beim Aufbau netzdienlicher Ladeinfrastruktur. Ziel ist die sektorübergreifende Verknüpfung von Energie und Mobilität, um die Logistik nachhaltiger zu gestalten (Metropolregion Nürnberg, 2025).
Siemens: Künstliche Intelligenz für Energieeffizienz in der Industrie: Als einer der führenden deutschen Industriekonzerne setzt Siemens auf KI-basierte Lösungen, um Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, den Energieverbrauch zu senken und Ressourcen zu schonen. Diese Technologien spielen eine zentrale Rolle für die Dekarbonisierung industrieller Wertschöpfungsketten (Siemens, 2025).
Literaturverzeichnis
Gottschalk & Wessel (2023): Greenwashing, https://www.lpb-bw.de/greenwashing
Metropolregion Nürnberg (2025): Cleantech Innovation Summit 2025, https://www.metropolregionnuernberg.de/aktuelles/news/cleantech-innovation-summit-2025
Orcan Energy AG (2024): https://www.orcan-energy.com/de/news/category/pressemeldungen.html
Siemens (2025): Siemens Xcelerator: Up to 20 percent in energy savings with Drivetrain Analyzer Cloud thanks to AI-based drive optimization, https://press.siemens.com/global/en/pressrelease/siemens-xcelerator-20-percent-energy-savings-drivetrain-analyzer-cloud-thanks-ai-based?utm_source=chatgpt.com
Stiftung für Konsumentenschutz (2024): Wie erkenne ich Greenwashing?, https://www.konsumentenschutz.ch/online-ratgeber/wie-erkenne-ich-greenwashing/
Umweltbundesamt (2022): Greenwashing und Sustainable Finance, https://www.umweltbundesamt.de/greenwashing-sustainable-finance#undefined
Weiß, J. (2025): Greenwashing, https://endlichfair.de/greenwashing/greenwashing-beispiele/
Wikipedia (2025): CleanTech, https://de.wikipedia.org/wiki/Cleantech